Mittwoch, April 09, 2008

Zwei Bücher ein Wort. Es geht um Fußball.

In „Calcio“ schreibt Birgit Schönau über den italienischen Fußball. Wie ist er entstanden, was ist das Schöne an ihm und warum lieben ihn die Italiener so sehr. Hauptaugenmerk ihrer Betrachtung sind dabei die Vereine aus Turin und Mailand. Ebenso geht sie auf die Verflechtung der italienischen Politik mit dem Sport ein und versucht diese Szenerie für den Leser zu entwirren, was auch recht gut gelingt. Das Buch fängt zäh an, da sich der Leser erst an die Schreibe mit eingebundenen italienischen Begriffen gewöhnen muss. Dies ist anfänglich schon etwas nervig, wenn man dieser Sprache nicht mächtig ist. Allerdings kommt man schnell rein und schon wird es sehr schwer dieses Buch wieder aus den Händen zu legen.

Javier Cáceres widmet sich in „Fútbol“ dem spanischem Fußball und hauptsächlich Real Madrid und Barca, aber auch Vereine wie Bilbao oder Sevilla werden bedacht. Insgesamt hat mir dieses Buch etwas besser gefallen als das italienische Pendant, aber das lag wohl nur an den Startschwierigkeiten wie bereits oben erwähnt. Beide Bücher haben gemeinsam, dass sie die Geschichte des Fußballs in dem jeweiligen Land beschreiben und wie er sich entwickelt hat, um so beliebt bei den Einwohnern des jeweiligen Landes werden. Leider beziehen sich beide Bücher auch hauptsächlich auf die „großen“ erfolgreichen Vereine und „kleinere“ bleiben etwas außer vor. Aber nichts desto trotz eine absolute Leseempfehlung!!!


Wenn jemand das Buch über den englischen Fußball „Harder, Better, Faster, Stronger“ aus derselben Reihe wie die anderen beiden Werke besitzt, dem wäre ich sehr verbunden, wenn ich mir dies mal ausleihen könnte.

Montag, März 24, 2008

Fussballmenü ohne Hauptspeise

Der Fußballsonntag an diesem Wochenende hatte sich ja als wahrer Volltreffer erwiesen mit der kurzfristig getroffenen Entscheidung dem Mainzer Bruchweg endlich mal einen Besuch abzustatten und dem 2. Liga Kick der Protagonisten Kloppo vs. Hoppo beizuwohnen. Reibungslose Hin- und Rückfahrt ohne Zugverspätungen, problemloser Ticketkauf an der Tageskasse, lecker Warmup-Bier in Stadionnähe und ein munteres Fußballspiel.

Bei soviel Glück und positiven Eindrücken konnte es somit beim Ostermontagspiel nur noch besser oder aber der totale Reinfall werden. Auf meinem Speiseplan stand die Oberligapartie zwischen der Viktoria aus Aschaffenburg und der Borussia aus Fulda. Hier sollte vor allem das Stadion am Schönbusch der Star am Nachmittag werden. Ein paar imposante Internetbilder dieses Stadions, insbesondere der zweigeteilten Hintertortribüne, hatten es mir im Vorfeld besonders angetan. Somit ging`s am frühen Morgen mit der Bimmelbahn entlang verschneiter Winterlandschaften im nirgendwo zwischen Württemberg und Franken um pünktlich zur Mittagszeit in Aschaffenburg aufzuschlagen. Nach einem kurzen Blick auf den Stadtplan ging`s in einem knapp 20 minütigen Fußmarsch durch die City, vorbei an Marktplatz, Schloss und Mainufer in Richtung Spielwiese. Nachdenklich stimmte mich dabei jedoch schon die bedenklich geringe Anzahl von Frischluftfanatikern in Aschaffenburg-City. Eine Stunde vor Ankick der Partie am Stadion angekommen, war ich offensichtlich der einzige, der sich dieses Ausflugsziel auf seinem Speiseplan notiert hatte. Spielabsage, keine Fußballinteressierten in Aschaffenburg, Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit schoss es mir durch den Kopf! Am Haupteingang kam dann die Ernüchterung in Form eines Aushangs des Vereins: "Aufgrund der Niederschlagsmengen ist ein Spielbetrieb nicht möglich. Nachholtermin ist der 09.04.08 um 18:00 Uhr!" Das Oberligamatch und das mögliche Kreuzchen waren somit an diesem Tage für mich gestorben. Da konnte nur noch ein obligatorischer Stadionrundgang über diesen Fehlgriff ein wenig hinwegtrösten.

Der Eindruck hiervon und der Einblick ins weite Rund von einer nahe gelegenen Fußgängerbrücke aus ließen mich aber sofort die Entscheidung treffen: Ich komme wieder keine Frage! Eine sehr schöne Lage des Stadions am Stadtrand, gute Infrastruktur, eine skurril wirkende zweigeteilte Hintertortribüne, eine sehr spezielle Anzeigetafel. Bis bald im Stadion am Schönbusch.

Mittwoch, März 05, 2008

Neulich im Süden

Seit Monaten, ja fast schon Jahren, nehme ich mir vor endlich mal die Jungs (petÄ, prinzi und den diggen) im Süden Deutschlands zu besuchen. So sollte dann ursprünglich ein verlängertes Reisewochenende Ende Februar Anfang März anstehen, schließlich hat mir das Schaltjahr einen Tag geschenkt und den gilt es zu nutzen. Letzten Endes nutzte ich diesen zusätzlichen Tag um zu arbeiten. Durch eigene Doofheit und leichte Schwächen im Planungsabschluss, wurde es (nur) ein normaler Trip.
Samstag, den 01.03. ging es zunächst einmal mit dem günstigen Bahnticket vom Kaffeehändler ("Ey guck ma! Bei Tschibo kann man auch Kaffee kaufen." - kleiner Scherz am Rande) via Mannheim nach Stuttgart. Angenehme Fahrt, da ich ein Abteil bis Fulda für mich allein hatte und die vergangene Nacht mit mehr als einer Flasche Rotwein über die Runden gebracht hatte. In Fulda stieg dann eine sehr nette Dame mit ihrem Kind dazu und versüßte mir die Weiterfahrt mit Windelwechseln und allerlei Kindergedöns. Bis dahin war die Fahrt noch lustig. Auf einmal hieß es, Unwetterwarnung und verspätete Ankunft. Sobald im ICE wieder Mobilfunk verfügbar war, informierte ich prinzi über meine leicht missliche Lage und der besprach dann alles weitere mit petÄ. Zunächst hieß es noch 30 Minuten Verspätung. In Mannheim angekommen, stand dort schon weiß auf blau 45 min. Daraus wurden schließlich noch 50 min und als der Zug mit einer Stunde Verspätung endlich eintraf, wußte ich: Die Bahn kann mich irgendwie auch nicht mehr überraschen. Durch mehrere Telefonate mit petÄ, wußte ich, dass wir Reutlingen : KSC II nicht mehr rechtzeitigen schaffen würden. Alternative war nun Stuttgarter Kickers. Mir wars egal, sollte er das mit prinzi abklären. Ich ließ mich überraschen. Im Zug half ich einer verwirrten Dame ihren vollgestopften Koffer, bei dem gerade die Verschlüsse kaputt gegangen waren mit Mullbinden zu verschließen. Schon blöd, wenn man auf diese Weise von Kaiserslautern nach München umzieht. Naja, nette Unterwäsche, wenn sie bloß wenigstens mein Typ gewesen wäre.
Endlich in Stuttgart angekommen, traf dann auch prinzi ein. Der endgültige Plan war also mit dem Auto nach Reutlingen um dann das Spiel Reutlingen : KSC II im Stadion Kreuzeiche zu sehen. Dort angekommen stach sofort die überdimensioniert wirkende Haupttribüne ins Auge. PetÄ erklärte kurz, dass vor ein paar Jahren nach dem Abstieg die Gelder ausgegangen seien und dadurch der Stadionumbau nicht fortgesetzt wurde. Das Spiel hatte natürlich bereits begonnen und das 1:0 für den Gastgeber hatten wir auch verpasst. Tolle Wurst. Selbige heißt dort übrigens "Rote" und schmeckt sehr lecker auch wenn die Süddeutschen die Sache mit dem scharfen Senf einfach nicht hinbekommen. Das Spiel war recht ansehnlich, wobei auch aufgrund des starken Windes nicht viele Torchancen heraussprangen. Der Zweitvertretung des KSC gelang vor 2700 Zuschauern aber noch der leistungsgerechte Ausgleich und so sahen wir wenigstens noch ein Tor. Begünstigt durch das Dach der Haupttribüne waren die Heim-Supporter mit Unterstützung der Jungs aus Cannstadt auch gut laut. Gäste waren in dem weiten Rund mit den etwa 10 stufigen Stehrängen nicht zu vernehmen.
Danach gings dann durch die bergige Landschaft Süddeutschlands zum diggen in den Schwarzwald. Die freie Abendgestaltung war angesagt. Zunächst kehrte man in die Vereinskneipe des SV Dillendorfs ein und sah das wunderschöne Tor von Fin Bartels. Gut gestärkt mit nem Bier und einem der besten Baguettes (ja prinzi, so heißen die!) die ich je gegessen habe, gings zur Wohnungsbesichtigung in Bonndorf. Dort rüstete man sich mit Schwarzwaldbier und Asbach-Cola auf einen kleinen Stadtbummel inklusive Kneipenbesichtigung. Danke an dieser Stellen an den diggen für das Fremdenführer spielen und die nette Beherbergung und entschuldige bitte mein Schnarchen. Ich war doch ein wenig angebrütet.
Am nächsten Tag sollte dann der Länderpunkt Schweiz genommen werden und das noch mit dem Zürcher Derby (FC Zürich : Grasshoppers Club Zürich). Nach Zürich zu kommen war kein Problem, aber dort einen Parkplatz zu finden dann schon eher. Für die EM sollte sich die Stadt dafür noch unbedingt was einfallen lassen. Das Stadion selber war schon sehr nett anzuschauen, da es doch eine eigenwillige Konstruktion ist. Von außen fällt zunächst der rostige Zaun auf und die mit Holz verkleidete Dachkonstruktion, auf der sich zig Flutlichtmasten befinden. Innen stören die Laufbahn und die im unteren Abschnitt ziemlich flachen Ränge. Diese werden im oberen Bereich aber zunehmend steiler. Die Gästefans boykottierten weitestgehend das Spiel aufgrund der hohen Eintrittspreise im Letzigrund (36 Franken normalerweise, bei dem Spiel mit Topzuschlag 38 Franken, was ca 24€ für die billigste Karte entspricht). Dadurch konnte sich nur der Anhang des FCZ auszeichnen, die auch gleich mit einer schönen Folien-Choreo begannen. Leider saßen wir neben dem Heimblock und so konnten wir nicht erkennen, was genau dort zu sehen war. Vermutlich bildeten die weißen und hell- und dunkelblauen Folien aber das Wappen des FCZ. Auch während des Spiels wurden immer wieder gute Akzente gesetzt. An italienische Kurven erinnernde Gesänge, Wechselgesang mit Haupttribüne und Gegengerade und Schalparade. Zum Spiel bleibt nicht viel zu sagen. Es war ein offener Schlagabtausch. Mit sehr guten Möglichkeiten und Kombinationen auf beiden Seiten und am Ende rettete der FCZ seinen 1:0 Vorsprung über die Zeit. Insgesamt waren 14400 Zuschauer anwesend, wobei zu erwähnen bleibt das petÄ mit seiner Schätzung von 14000 gar nicht so falsch lag, manche Leute haben ein Auge dafür. Nach dem Spiel musste unbedingt noch eine Schweizer Erfindung probiert werden. Die Wurst in der Tüte sei hiermit jedem empfohlen, der die Gelegenheit hat sie zu kosten. Am Ende möchte ich meinen Mitstreitern danken für dieses tolle Fußballwochenende, was mir die Bahn mit einer halbstündigen Verspätung morgens um 5 Uhr in Hannover dann auch nicht mehr kaputtmachen konnte.

Hier gibts die Bilder aus Reutlingen und vom Zürcher Derby.

Mittwoch, Februar 27, 2008

Pokalsensation

Für mich war es seit langem mal wieder Zeit einen Abstecher ins Gottlieb-Daimler-Stadion zu machen und so ging es am Dienstagabend direkt vom Schreibtisch zur besagten Spielwiese. Der DFB hatte zum Pokal-VF-Spiel VfB Stuttgart gegen FC Carl Zeiss Jena eingeladen. Trotz unverschämter Eintrittspreise von 18 € für diese Kracherbegegnung wollte ich mir diesesSpiel in Begleitung eines Arbeitskollegen (VfB-Fan) nicht entgehen lassen. Vom Papier her war ja vor dem Spiel eigentlich alles klar: Deutscher Meister gegen Abstiegskandidat in der 2. Liga.
Aber die Elf aus Jena mutierte abermals zum Favoritenschreck. Während inder 1. HZ noch die Thüringer weites gehend das Spiel bestimmten undverdient mit 0:1 in Führung gingen, war ab der 2. HZ nur noch die Schwaben-Elf am Drücker. Phasenweise kamen wir uns vor wie bei einem Handballspiel, denn der VfB zeigte ein gutes Kombinationsspiel, spielte sich haufenweise gute Torchancen heraus, nur im Abschluss versagten bei einigen dann offensichtlich die Nerven. Als Beispiel sei hier nur mal das Eckenverhältnis genannt: 16:2. Auch die Jena-Fans hatten anscheinend ihren Gefallen an diesem Pokal-Match und nahmen die Floskel "Feuer und Flamme sein" etwas zu ernst. So wurde das Auge des Stadionbesuchers mit einer Rauchsäule in schönstem Rot beglückt. Ja und auch akustisch war der Gästesupport sehr annehmbar von den mehr als 3.000 Thüringern. Aber irgendwann musste es ja im Netz von Jena klingeln und einmal mehr traf Nationalspieler Gomez. Mit einem 1:1 ging`s in die Verlängerung und nachdem 2:1 abermals durch Gomez war der Drops wohl gelutscht. Jena war stehend k.o. und nur noch die kühnsten Optimisten glaubten an ein Tor für blau-weiß. Als sich alles schon auf ein Heimsieg einstellte und die umstehenden VfB`ler ihre Berlin-Reisepläne zum Besten gaben fiel aus heiterem Himmel in allerletzter Sekunde doch noch der Ausgleich. Elfmeterschießen. Tja meine Vorahnungen wurden dann Wirklichkeit und derUnderdog entschied diese Partie schließlich für sich. Selten habe ich einFußballspiel verfolgen können, wo eine Mannschaft über das gesamte Spiel gesehen so überlegen war und am Ende mit lehren Händen da stand, letztendlich wurden die Stuttgarter wohl für ihre erschreckend schwacheVorstellung im Abschluss bestraft.
Einen kleinen visuellen Eindruck von den Ereignissen dieser Pokalsensation gibt`s in der Gallerie.

Dienstag, Februar 26, 2008

Merseyside

In "The Boys from the Mersey" von Nicholas Allt beschreibt der Autor seine Fussballerlebnisse. Seit er Teenager ist, tourt er mit Liverpool erst kreuz und quer durch England und dann durch ganz Europa. Toni hat es schon ganz gut umrissen mit den Schlagwörtern: Selbstbeweihräucherung, auf den Sack gehen und LESENSWERT. Das Buch bleibt trotz mancher Widersprüchlichkeiten des Autors sehr lesenswert. Mit den Widersprüchlichkeiten meine ich, dass er einerseits die Jugend von heute verhöhnt, aber andererseits groß und breit erzählt, dass Leute wie er mit ihren Reinschmuggelaktionen in Stadien von damals mitverantwortlich wären, dass es heute so viel Sicherheit in Europas Stadien geben würde. Sie hatten ja damals kein Geld und wollten doch die Spiele sehen, also waren sie gezwungen sich rein zu schmuggeln oder Leute ab zu ziehen. Ganz großes Mitleid meinerseits. Wer das Buch gelesen hat, weiß was ich meine. Trotz allem ein sehr nettes Buch durch den Schreibstil des Autors. 2 Dinge fallen besonders auf: 1. bezieht er sich immer auf diese "Hooligan-Bücher aus London" und zweitens schreibt er scheinbar in seiner Liverpooler Mundart, denn die Übersetzung mutet anfangs etwas lustig an, man gewönnt sich aber dran.

Freitag, Februar 22, 2008

Klolektüre - I

Die Überschrift lässt es schon erahnen. In diesem und weiteren Berichten soll es um Literatur gehen. Aber nicht zum Abwischen des Allerwertesten, sondern zum Schmökern auf dem weißen Porzellan-Thron. Denn bei fast jedem liegen irgendwelche Zeitungen, Zeitschriften, Magazine oder Bücher auf dem heimischen Klo herum und in dieser Reihe möchte ich ein paar von meinen Büchern vorstellen. Wer Interesse hat, kann sich diese gern bei mir ausleihen, aber ich hätte sie gern unbeschmutzt zurück.


In diesem Buch schreibt Christoph Biermann über seine erlebten Fussballgeschichten, wie zum Beispiel über ein kleines Malheur bei Fangesängen des Lieblingsvereins oder ein Interview mit Günter Netzer. Ebenso beschreibt er wie es ist, Bernd Hölzenbein (der alte Elfmeterschinder vom WM-Finale '74) zu sein. Die "Church of SVW" kommt genauso zur Sprache, wie "Flammenwerfer", "teuflische Trikots" und "Arsenalisten und Anarchisten". Die insgesamt 63 Geschichten laden mit ihrer 2-3 seitigen Länge zum Verweilen auf dem Lokus ein. Aber denkt dran: Spülen nicht vergessen.

Donnerstag, Februar 21, 2008

Und zwischendurch.....OBERLIGA! Walldorf - Pirmasens und Nöttingen - Kirchheim

Nach einem unterhaltsamen Ausflug ins Frankenland und einem verdienten Auswärtspunkt für unseren geliebten FC Hansa im Gepäck, u.a. bedingt durch ein schon fast brasilianisch anmutendes Traumtor von Christian Rahn standen nun zwei Oberliga-Grounds auf meinem Programmzettel. Während das für den Sonntag ausgewählte Spiel den Fußballinteressierten vor eine große Hürde stellen würde, da sich die Erreichbarkeit des Grounds mit Bus und Bahn im Vorfeld als schwierig gestaltete, konnte das Samstag-Spiel mit einem nigelnagelneuen Fußballplatz aufwarten.

Dies ließ doch einiges versprechen und so ging es am Samstagvormittag mit der Bahn Richtung Kurpfalz zum Testspiel der beiden Oberligateams vom FC Astoria Walldorf und dem FK Pirmasens. Während der Aufsteiger aus Walldorf in der Oberliga Baden-Württemberg derzeit einen respektablen 5. Platz einnimmt, ist der Gast aus Pirmasens momentan nur im Mittefeld der Oberliga Südwest wieder zu finden und der Wiederaufstieg vermutlich schon in weite Ferne gerückt. Eine halbe Stunde vor dem Ankick am Sportkomplex in Walldorf angekommen wurde erstmal das Areal in Augenschein genommen. Während die beiden Spielparteien noch auf einem Kunstrasenplatz mit dem Aufwärmprogramm beschäftigt waren, hatte ich schon die bisherige Spielwiese des FC Astoria erklommen. Doch hier verbreitete lediglich die zweigeteilte Haupttribüne einen gewissen Charme. Der Rest des Runds sah dann doch eher nach gewöhnlicher Leichtathletik-Kampfbahn aus. Also ging es schnurstracks zum nur wenige Schritte entfernten neuen FC Astoria Stadion. Die angepriesene inoffizielle Einweihung der Haupttribüne entpuppte sich jedoch schnell als ein Reinfall. Denn weder zahlende bzw. anwesende Kundschaft war bei meinem Betreten des Grounds zugegen, noch sah es irgendwie nach einem "Festle" aus. Für mich entstand eher der Eindruck: "Deutschland sucht die Superbaustelle!". An der Sitzplatztribüne war noch der Maurer zugange, überall standen Baumaterialen und Werkzeuge herum. Offensichtlich war man von Vereinsseite mit dem Einweihungstermin etwas zu optimistisch, oder hat das Wort "Inoffizielle" doch eine ganz andere Bedeutung. Nichtsdestotrotz ist es dem kleinen Verein gelungen eine recht ansehnliche und zweckmäßige Sitzplatztribüne zu errichten auf der handgezählte 744 Sitzschalen in schönstem Hanseatic-Blau montiert sind. In der Mitte der Tribüne befindet sich natürlich die obligatorische Sprecherkabine, von wo aus unter anderem auch das sicher nicht ganz preiswerte Bose-Sound-System unterm Tribünendach mit Musik gefüttert wird. Auf der Gegengeraden sind momentan 4 Betonstufen vorhanden, linker Hand war Bob der Baumeister gerade damit beschäftigt dem Gästebereich ein ansprechendes Äußeres zu verpassen. Positiv jedoch auch das bisher bei der Spielfeldabgrenzung auf Käfighaltung verzichtet wurde. So wünscht man sich das. Das neue Stadion kann sich somit schon jetzt sehen lassen getreu der Devise: Klein und Fein. Von meiner Seite bleibt nur noch zu hoffen, dass die offizielle Einweihung dann einen würdigeren Rahmen findet, als dieses Testspiel.

Das eigentliche Spiel wurde dann übrigens mit rund 5 minütiger Verspätung angepfiffen. Jedoch sicherlich nicht wegen des großen Zuschauerandrangs an jenem Nachmittag, sondern weil der Kreidewagenmann offensichtlich wohl eher von der gemütlichen Sorte Mensch war. Aber das schien auch die übrigen rund 40 Fußballkiebitze nicht sonderlich weiter zu stören. Dafür nahm der Kick relativ rasant Fahrt auf und der FK Pirmasens lag schnell mit 2 Toren in Führung, war schlussendlich die Spielbestimmende Mannschaft und gewann dieses Testspiel recht souverän mit 4 : 0. Ärgerlich an diesem Ausflug war lediglich die Tatsache, dass es an jenem Tag weder etwas für die Kehle, noch für den Bauch, noch für das Eintrittskartensammelalbum zu erwerben gab. Das riecht also förmlich nach einem weiteren Besuch in Walldorf zu einem späteren Zeitpunkt.

Auch der Sonntag hatte für mich einen Oberligakick zu bieten. Diesmal sollte es jedoch im Gegensatz zum Vortag u.a. auch um Punkte gehen und so ging es am späten Vormittag natürlich wieder mit der Bahn zum Nachholspiel in der Oberliga Baden-Württemberg zwischen dem FC Nöttingen und dem VFL Kirchheim. Angekommen an einem kleinen Bahnhof im Badischen Hinterland bestand nun die Schwierigkeit darin, die letzten 5 km bis nach Nöttingen möglichst komfortabel zurückzulegen. Denn das Nest namens Nöttingen hatte weder einen Bahnhof zu bieten, noch fuhren hier am Wochenende irgendwelche Busunternehmen. Die einzige Möglichkeit bestand also darin den lt. DB-Reiseauskunft angepriesenen AST in Anspruch zu nehmen. AST was? Ich hatte bis zu jenem Tage auch nichts mit diesem Kürzel anfangen können, aber AST steht dann wohl für Anruf-Sammel-Taxi. Wieder etwas gelernt. Der Haken an dieser Möglichkeit war jedoch die Tatsache, das man eine Fahrt mindestens ½ Stunde vor Fahrtantritt bei der Taxizentrale hätte anmelden müssen. Noch etwas gelernt. Somit war für mich dummes Herumstehen am Provinzbahnhof angesagt und die Wartezeit mit folgenden 3 Möglichkeiten zu verkürzen: 1. einen kurzen Abstecher zur im DB-Schaukasten angepriesenen "Zweiten Handarbeitsmesse" in der örtlichen Kulturhalle, 2. in die Bahnhofskneipe einkehren, 3. an der nahe gelegenen Kraftstoffauffüllstation meinen Tank auffüllen. Da jedoch meine Strick- und Häkelnadelsammlung seit der Handarbeits-AG in meinen Grundschultagen unauffindbar ist und die Tränke im Bahnhof einen auf Geschlossene Gesellschaft machte, musste halt das Dosenbier von der Tanke herhalten. Als dann schließlich das AST vorfuhr, fühlte ich mich irgendwie an den vergangenen Ausflug ins Frankenland erinnert. Das das rollende Gefährt vermutlich gefühlte 15 Jahre auf dem Buckel zu haben schien war noch irgendwie hinnehmbar, aber das Mr. Cabdriver von unserer Mottofahrt so angetan schien, überraschte dann schon mehr: Pullover, Jeans und Mütze im Old-Scool-Look.

2 Euro ärmer und ein paar Local-News schlauer entließ mich Mr. Cabdriver dann direkt vor der Haupttribüne des Panoramastadions in Nöttingen aus seinem Gefährt und rein ging es ins Stadion. Der erste Eindruck machte dann dem Stadionnamen alle Ehre. Die beiden Tribünen an den Längsseiten wurden hier quasi in den Berg hineingebaut und die Aussicht in die Botanik hatte ebenso ihren Reiz (Hopp-Land läßt grüßen). Während die Gegengerade die fast schon obligatorischen 3 bis 4 Betonstufen aufwies, war die auf 3 Ebenen angelegte Haupttribüne schon fast großes Kino. Für Oberligaverhältnisse war es nach meiner Meinung eine sehr gelungene Umsetzung und Ausnutzung der begrenzten Platzverhältnisse. Positiv in Erscheinung trat auch die gute Bewegungsfreiheit im gesamten Stadioninneren mangels Ordner und Blockeinteilung und so konnte auch der Gästemob aus Nahdistanz beäugt werden. Dieser fuhr das volle optische Programm mit 1 kleinen Schwenkfahne, 1 Blechtrommel und 3 Zaunfahne auf. Bemerkenswert das es sich beim Gästemob aus Kirchheim nur um 6 Personen handelte, die jedoch im Gegensatz zum Heimpublikum zumindest um optische und akustische Untermalung dieses Spiels bemüht waren. Warum jedoch die 3 Zaunfahnen vor dem Gästebereich alle auf den SSV Ulm deuteten, blieb für mich an diesem Tag unerklärlich. Fanfreundschaft? Diebesgut? Es darf gerätselt werden.

Die schlussendlich 441 anwesenden Fußballinteressierten sahen an diesem Nachmittag einen eher mittelmäßigen, phasenweise gar langweiligen Oberliga-Kick in dem der Gast aus Kirchheim zu Beginn der 2. Halbzeit durch einen wiklich dicken Abwehrbock in Führung ging. Als ich mich schon innerlich auf einen Auswärtssieg eingestellt hatte, führte kurz vor dem Abpfiff eine geschmeidige Flanke der Nöttinger in den Strafraum und ein platzierter Kopfball aus stark abseitsverdächtiger Position zu einem leistungsgerechten Unentschieden. Der Kick somit nicht wirklich ein Knüller und die schleichende Kommerzialisierung ging einem mit zunehmender Spieldauer irgendwie auf die Nerven. Sobald ein Spieler verletzt am Boden lag oder ihn nur die Fallsucht heimsuchte, hatte der Stadion-DJ seinen großen Auftritt und es ertönte ein Werbejingel eines örtlichen Versicherungsunternehmens: "Eine schnelle Genesung wünscht.......". Eine zwar nette Idee, aber manchmal ist weniger mehr.

Nach dem Spiel wartete Mr. Cabdriver wie vereinbart am Stadionausgang, brachte einen wieder zum nächsten Bahnhof und mit einem neuen Ground in der Tasche ging es zurück gen Home. Tja und so langsam stieg auf der Rückfahrt auch schon die Vorfreude auf die anstehende WET-Tour gen Ruhrpott, wenn es heißt: Der FCH zu Gast im Westfalenstadion. Und dort wandern dann statt einem neuen Ground hoffentlich 3 Punkte in die Tasche.

Einen kleinen visuellen Eindruck gibts in der Galerie.