Mittwoch, Dezember 05, 2007

Buchtipp

Folgender Leckerbissen fiel mir neulich beim durchstöbern eines Büchermarktes in einem Bottroper Tierheim (fragt nicht) in die Hände, Hans Blickensdörfers "Tour de France".
Auf dem ersten Blick sicherlich ein langweiliges Sportbuch wie tausende, aber meine Sucht nach Büchern und Sport in Kombination mit dem Preis von 1,50€ ließen dieses Juwel ganz geschwind in meinen Besitz übergehen.
Die Erstausgabe dieses Buches ist von 1963 und beschreibt die Großen Schleifen von ihrer Entstehung bis 1962. In den späteren Auflagen kommen die Rundfahrten 1963 und 1964 hinzu.
Nun ist die Frage berechtigt, warum man Sportbücher, die über 50 jahre alt sind, lesen sollte, durchaus berechtigt. Die Antwort findet man gleich auf den ersten Seiten, denn Blickensdörfer, der als Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung und als Autor der "L'Equipe", die Tour über Jahrzehnte im Begleitwagen miterlebte hat einen Erzählstil, der mich das Buch nicht mehr weglegen ließ. Es geht nur nebensächlich um Ergebnisse, Zwischenzeiten und Punkte, sondern es sind viel mehr diese ganzen kleinen und großen Geschichten, die die Tour de France in diesen Jahren schrieb. Sicher kennt der aufmerksame TV-Seher viele Anekdoten schon von Herbert Watterot und Co, aber irgendwie ist diese Geschichten zu lesen schöner als sie zu hören, man fühlt sich dichter dran, wenn Eugene Christophe 1913 seine Gabel mitten in die Pyrenäen neu schmieden muss und wenn der Algerier Abdul-Kader Zaaf im Jahre 1950 sich vor lauter Durst zwei Flaschen Weißwein reinschüttet, dann ein Nickerchen macht und nach dem Aufwachen in die falsche Richtung, nämlich die Strecke zurück, weiterradelt.
Eine berühmte Frankfurter Zeitung schrieb damals: "Das Beste, das jemals über die Tour de France gesagt wurde." Gut, vielleicht etwas viel des Lobes, aber ein durchaus lesenswertes und unterhaltsames Buch ist es auf jeden Fall!

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