Freitag, April 18, 2008

Verkacktes Fußball-WE

Jetzt hat es auch mich einmal erwischt. Platz gesperrt, Spiel fiel aus. Aber dazu später mehr.



Zunächst musste noch der über alles geschätzte FCH unterstützt werden. Nach der entspanntesten Auswärtstour meines Lebens (ich reiste allein mit WET und mied den Hauptmob, wo es nur ging, las ein Buch und stellte fest, dass es Leute gibt, die sich so gar nicht für Fußball interessieren. Was soll das nur für ein Leben sein?), ging es per Bus und Polizei-Eskorte zur größten Turnhalle Deutschlands. In einem Stadion zu stehen ohne den Himmel zu sehen ist schon irgendwie merkwürdig. Die Akustik war irgendwie schlechter als erwartet oder die Schalker waren einfach viel zu laut für unseren - aus Jungen und Alten bestehenden - buntgemischten Gästeblock. Dies soll keine Wertung sein, aber wie formulierte es jemand neben mir? „Wenn der Block kleiner wäre, dann wär hier auch viel geilere Stimmung.“ Die Stimmung auf den Rängen kann man also als durchwachsen bezeichnen. Was war mit dem Spiel? Muss ich noch was dazu sagen? Ich glaube nicht! Wiedermal 1:0 ohne Ideen verloren. Danke für nichts.



Schon während der 2. Halbzeit ging ich in den Vorraum der Turnhalle, um von dort das Spiel auf dem Fernsehbildschirm zu betrachten. Dies lag nicht am leicht überfüllten Block, sondern hatte eher 2 andere Gründe. Zum Einen stand ich in der ersten Halbzeit so dermaßen bescheiden im Gang, dass ich mir bei den unzähligen Ausweichbemühungen für irgendwelche Idioten, den Rücken verrenkt habe und zum Anderen wollte ich unbedingt meinen Zug schaffen, damit ich am Abend noch in Hamburg ankomme. (Moe, wo hast du nun eigentlich die Nacht verbracht? Gings von Bremen noch weiter?)

Dorni erwies sich dann wieder einmal als liebenswerter Gastgeber mit Bier und Knabberzeug am Abend und Frühstück inklusive perfekt gekochtem Ei am Morgen. Danach sollte der Sonntag mit einem gemütlichen Spiel in der Verbandsliga Hamburg weitergehen. Aber der Platz wurde kurzfristig durch das Bezirksamt Wandsbek gesperrt. Das ist mir bisher noch nie passiert und dabei hatten wir doch am Vorabend genau dieses Thema. Da war ich noch völlig entspannt und der Meinung, sowas passiert mir nicht so schnell. Denkste. Auf meine Frage warum der Platz gesperrt sei, meinte ein älterer Condorfan nur: „Guck dir doch den Platz an! Wie nass der ist. Wer soll das bezahlen, wenn die den Platz umpflügen? Nee nee, das is schon richtig, dass die den gesperrt haben.“ So blieb nur ein kleiner Blick auf die Sportanlage und eine kurze Begehung des etwas feuchten Grüns.

Aus dem ersten Spiel wurde also nichts. Was ist mit dem zweiten? Schließlich liegt die Wolfgang-Meyer-Sportanlage des HSV II auch nur auf der anderen Seite der Stadt. Also schnell hin da und die Lage checken. Dort angekommen, wurde ich aber durch die vielen umher stehenden Ordner beruhigt und besichtigte erst einmal die nähere Umgebung. Direkt neben der Sportanlage ist übrigens eine Radrennbahn mit einem Eishockeyfeld in der Mitte für die Eishockey-Abteilung des HSV. Nach der Besichtigung der angrenzenden Gartenanlage inklusive Wasserturm, der für Wohnzwecke umgebaut wurde, ging es in einen Backshop, um sich dann auf den ganzen bisherigen Schreck erst einmal ein Bier zu gönnen. Kaum war der erste Schluck getrunken, kam es auch schon in Form von Hagel auf mich nieder und hörte erst auf als ich mit dem Bier allmählich fertig wurde. Sollte dies ein schlechtes Omen sein?

Im Stadion ging es dann auf die Stehtribüne. Diese ist links und rechts neben der überdachten Haupttribüne auf der gleichen Seite. Auf der Gegengeraden befindet sich noch eine Stahlrohrkonstruktion, die aber am heutigen Tag nicht geöffnet wurde und nur ein dicker Ordner seine Patrouille darauf schob. Hätte ich mal bloß die Sitzplatzkarte genommen, denn Mitte der ersten Halbzeit fing es auf einmal an zu regnen und es hörte auch erst wieder auf als der Schiri zur Halbzeit pfiff. Irgendwie lief das alles nicht für mich an diesem Tag. Schließlich hatte sogar der Akku meines Handys den Geist aufgegeben und somit blieben mir sogar ein paar Schnappschüsse der Anlage verwehrt. Da das Spiel ziemlich öde und einseitig war, der HSV hatte in der 9. und 12. Minute eingenetzt und die Wolfsburger als Tabellenletzter der Regionalliga Nord waren erschreckend schlecht, beschloss ich durchnässt und leicht durchgefroren die Heimreise anzutreten. Beinahe hätte ich dem Ordner am Ausgang noch meinem Tipp für die 2te Halbzeit verraten, aber auch so hatte ich meine Genugtuung als ich am Montag im Internet las, dass dann nur noch ein Tor für den HSV fiel. Angeblich sollen 400 Zuschauer bei dem Spiel gewesen sein. Meiner Meinung nach waren es weniger, aber wenn waren sie zumindest nur während der ersten 45 Minuten dort, denn nicht nur ich verließ das Spiel. Die Jungs aus der Hamburger A-Jugend, die mir tierisch auf den Zeigern gingen, sind aber bestimmt geblieben, um sich weiter über ihre Verletzungen und Cardoso als tollen Trainer zu unterhalten.

Am Bahnhof schmeckte dann wenigstens das Bier während auf dem Flachbildschirm die letzten 20 Minuten der 2.Liga-Konferenz liefen. Wenigstens das kann man an diesem Wochenende fußballtechnisch als gelungen bezeichnen.

Donnerstag, April 10, 2008

Fussball in Polen

Nachdem ich endlich unser Nachbarland hoppingtechnisch für mich entdeckt habe, lässt es mich irgendwie nicht mehr so richtig los. Hoppen im Ausland ist für mich immer etwas Besonderes und deshalb zog es mich auch am letzten Samstag wieder gen Osten.
Angesteuertes Ziel war dieses mal Swinemünde auf Usedom oder besser, Świnoujście. Unterwegs war ich heute mit drei anderen ebenfalls Groundsüchtigen aus Neubrandenburg. Wie gewohnt sicher und angenehm brachte uns Franks Kult-Colt auf die deutsche Seite der Insel Usedom. Nach dem obligatorischen Fischbrötchen am Strand von Bansin stand noch ein Besuch des Grounds vom FC Insel Usedom an, wo wir uns die erste Halbzeit der Kreisoberligabegegnung zwischen der Zweitvertretung von FC Insel und Eintracht Ahlbeck ansahen.
Ob und in wie weit es sinnvoll ist, sich diesen Landesligaground (gemacht in der Kreisoberliga, sprich 9. deutsche Fussballliga) anzurechnen bzw sein Kreuzchen zu machen, lass ich an dieser Stelle mal unkommentiert und verrate auch nicht ob sich dieser Sportplatz jetzt in meiner Liste befindet ;-).
In der kleinen polnischen Stadt gleich hinter der deutschen Grenzen spielt MKS Flota Świnoujście in der dritten polnischen Liga. Zu Gast in der Hafenstadt war heute Kotwica Kołobrzeg, dritter der aktuellen Tabelle. Flota findet man jetzt wieder an der Tabellenspitze, was nicht unbedingt zu erwarten war, denn bis vor ein paar Tagen war man Vorletzter in der Tabelle.
Wie das jetzt geht? Flota bekam zu Beginn der Rückrunde eine Strafe aufgebrummt, die beinhaltete, dass 11 schon gespielte Partien ungewertet bleiben sollten, sprich der Verein so ziemlich alle erspielten Punkte wieder abgeben musste. Warum? Weil man angeblich mit zwei nicht-polnischen Spielern spielte, die keine Arbeitserlaubnis für Polen hatten. Warum sie die Punkte jetzt wieder zurück bekamen, verschließt sich meiner Kenntnis und meinem Verständnis. Polen halt.
So richtig diskutiert wurde das im Stadion "OSiR Wyspiarz" auch nicht, alle der 1600 Zuschauer waren heiß auf das Spitzenspiel, jetzt wo man wieder Tabellenführer war.
Das Stadion befindet sich momentan in einer Umbauphase. Eine Sitztribüne und die darüber liegenden Stehplätze im Wald sind schon fertig, auf der anderen Längsseite ist gerade Baustelle, die aber eine schöne und große Haupttribüne für die Zukunft erahnen lässt.
Der Heimmob sammelt sich zur Zeit hinter einem Bauzaun und ließ einiges an Potenzial erahnen. Leider blieb das Spiel von den Gästefans unbesucht. Warum, weshalb, weswegen vermag niemand zu sagen. Angesagt hatten sie sich und im Internet war im Vorfeld die Mobilmachung der Fans aus Kolberg zu lesen, höchstwahrscheinlich wurde ihnen aber ein Fahrverbot ausgesprochen. Auch das ein typisch polnisches Phänomen.
Durch das Fehlen eines Gegners auf den Rängen war die Stimmung also leider nicht so explosiv. Trotzdem aber nett anzusehen und anzuhören, was die Jungs hinter der Flota-Fahne so zu bieten hatten.
Achja, Fussball als Sport an sich, wurde dann natürlich auch gespielt. Das fussballerische Niveau ist sicherlich nicht unbedingt mit der dritten deutschen Liga zu vergleichen, aber das Spiel hatte einen guten Unterhaltungswert und war nett anzuschauen. Flota ging trotz verschossenem Elfer in Führung, Kotwica glich aus und bepöbelte darauf hin das komplette Stadion vom Rasen aus, Flota ging wieder in Führung, schaukelte das Ding locker mit 2:1 nach hause und führt die Tabelle nunmehr mit 10 Punkten vor dem zweiten und noch 11 ausstehenden Spielen an.

Hier noch einmal die Links zu den Seiten meiner Hopperkollegen Frank, Felix und Andy als gleichzeitige Lektüreempfehlung.

Grüße an den polnischen Bratwurstmann, der ein Erbarmen mit mir und meinen beschränkten Pantomimefähigkeiten, die ich einsetzen wollte um eine Wurst zu bestellen, hatte und mich einfach mit einem Lächeln im Gesicht und auf deutsch fragte "Willste deine Wurst mich Ketschup oder Senf!?"


Mittwoch, April 09, 2008

Zwei Bücher ein Wort. Es geht um Fußball.

In „Calcio“ schreibt Birgit Schönau über den italienischen Fußball. Wie ist er entstanden, was ist das Schöne an ihm und warum lieben ihn die Italiener so sehr. Hauptaugenmerk ihrer Betrachtung sind dabei die Vereine aus Turin und Mailand. Ebenso geht sie auf die Verflechtung der italienischen Politik mit dem Sport ein und versucht diese Szenerie für den Leser zu entwirren, was auch recht gut gelingt. Das Buch fängt zäh an, da sich der Leser erst an die Schreibe mit eingebundenen italienischen Begriffen gewöhnen muss. Dies ist anfänglich schon etwas nervig, wenn man dieser Sprache nicht mächtig ist. Allerdings kommt man schnell rein und schon wird es sehr schwer dieses Buch wieder aus den Händen zu legen.

Javier Cáceres widmet sich in „Fútbol“ dem spanischem Fußball und hauptsächlich Real Madrid und Barca, aber auch Vereine wie Bilbao oder Sevilla werden bedacht. Insgesamt hat mir dieses Buch etwas besser gefallen als das italienische Pendant, aber das lag wohl nur an den Startschwierigkeiten wie bereits oben erwähnt. Beide Bücher haben gemeinsam, dass sie die Geschichte des Fußballs in dem jeweiligen Land beschreiben und wie er sich entwickelt hat, um so beliebt bei den Einwohnern des jeweiligen Landes werden. Leider beziehen sich beide Bücher auch hauptsächlich auf die „großen“ erfolgreichen Vereine und „kleinere“ bleiben etwas außer vor. Aber nichts desto trotz eine absolute Leseempfehlung!!!


Wenn jemand das Buch über den englischen Fußball „Harder, Better, Faster, Stronger“ aus derselben Reihe wie die anderen beiden Werke besitzt, dem wäre ich sehr verbunden, wenn ich mir dies mal ausleihen könnte.

Montag, März 24, 2008

Fussballmenü ohne Hauptspeise

Der Fußballsonntag an diesem Wochenende hatte sich ja als wahrer Volltreffer erwiesen mit der kurzfristig getroffenen Entscheidung dem Mainzer Bruchweg endlich mal einen Besuch abzustatten und dem 2. Liga Kick der Protagonisten Kloppo vs. Hoppo beizuwohnen. Reibungslose Hin- und Rückfahrt ohne Zugverspätungen, problemloser Ticketkauf an der Tageskasse, lecker Warmup-Bier in Stadionnähe und ein munteres Fußballspiel.

Bei soviel Glück und positiven Eindrücken konnte es somit beim Ostermontagspiel nur noch besser oder aber der totale Reinfall werden. Auf meinem Speiseplan stand die Oberligapartie zwischen der Viktoria aus Aschaffenburg und der Borussia aus Fulda. Hier sollte vor allem das Stadion am Schönbusch der Star am Nachmittag werden. Ein paar imposante Internetbilder dieses Stadions, insbesondere der zweigeteilten Hintertortribüne, hatten es mir im Vorfeld besonders angetan. Somit ging`s am frühen Morgen mit der Bimmelbahn entlang verschneiter Winterlandschaften im nirgendwo zwischen Württemberg und Franken um pünktlich zur Mittagszeit in Aschaffenburg aufzuschlagen. Nach einem kurzen Blick auf den Stadtplan ging`s in einem knapp 20 minütigen Fußmarsch durch die City, vorbei an Marktplatz, Schloss und Mainufer in Richtung Spielwiese. Nachdenklich stimmte mich dabei jedoch schon die bedenklich geringe Anzahl von Frischluftfanatikern in Aschaffenburg-City. Eine Stunde vor Ankick der Partie am Stadion angekommen, war ich offensichtlich der einzige, der sich dieses Ausflugsziel auf seinem Speiseplan notiert hatte. Spielabsage, keine Fußballinteressierten in Aschaffenburg, Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit schoss es mir durch den Kopf! Am Haupteingang kam dann die Ernüchterung in Form eines Aushangs des Vereins: "Aufgrund der Niederschlagsmengen ist ein Spielbetrieb nicht möglich. Nachholtermin ist der 09.04.08 um 18:00 Uhr!" Das Oberligamatch und das mögliche Kreuzchen waren somit an diesem Tage für mich gestorben. Da konnte nur noch ein obligatorischer Stadionrundgang über diesen Fehlgriff ein wenig hinwegtrösten.

Der Eindruck hiervon und der Einblick ins weite Rund von einer nahe gelegenen Fußgängerbrücke aus ließen mich aber sofort die Entscheidung treffen: Ich komme wieder keine Frage! Eine sehr schöne Lage des Stadions am Stadtrand, gute Infrastruktur, eine skurril wirkende zweigeteilte Hintertortribüne, eine sehr spezielle Anzeigetafel. Bis bald im Stadion am Schönbusch.

Mittwoch, März 05, 2008

Neulich im Süden

Seit Monaten, ja fast schon Jahren, nehme ich mir vor endlich mal die Jungs (petÄ, prinzi und den diggen) im Süden Deutschlands zu besuchen. So sollte dann ursprünglich ein verlängertes Reisewochenende Ende Februar Anfang März anstehen, schließlich hat mir das Schaltjahr einen Tag geschenkt und den gilt es zu nutzen. Letzten Endes nutzte ich diesen zusätzlichen Tag um zu arbeiten. Durch eigene Doofheit und leichte Schwächen im Planungsabschluss, wurde es (nur) ein normaler Trip.
Samstag, den 01.03. ging es zunächst einmal mit dem günstigen Bahnticket vom Kaffeehändler ("Ey guck ma! Bei Tschibo kann man auch Kaffee kaufen." - kleiner Scherz am Rande) via Mannheim nach Stuttgart. Angenehme Fahrt, da ich ein Abteil bis Fulda für mich allein hatte und die vergangene Nacht mit mehr als einer Flasche Rotwein über die Runden gebracht hatte. In Fulda stieg dann eine sehr nette Dame mit ihrem Kind dazu und versüßte mir die Weiterfahrt mit Windelwechseln und allerlei Kindergedöns. Bis dahin war die Fahrt noch lustig. Auf einmal hieß es, Unwetterwarnung und verspätete Ankunft. Sobald im ICE wieder Mobilfunk verfügbar war, informierte ich prinzi über meine leicht missliche Lage und der besprach dann alles weitere mit petÄ. Zunächst hieß es noch 30 Minuten Verspätung. In Mannheim angekommen, stand dort schon weiß auf blau 45 min. Daraus wurden schließlich noch 50 min und als der Zug mit einer Stunde Verspätung endlich eintraf, wußte ich: Die Bahn kann mich irgendwie auch nicht mehr überraschen. Durch mehrere Telefonate mit petÄ, wußte ich, dass wir Reutlingen : KSC II nicht mehr rechtzeitigen schaffen würden. Alternative war nun Stuttgarter Kickers. Mir wars egal, sollte er das mit prinzi abklären. Ich ließ mich überraschen. Im Zug half ich einer verwirrten Dame ihren vollgestopften Koffer, bei dem gerade die Verschlüsse kaputt gegangen waren mit Mullbinden zu verschließen. Schon blöd, wenn man auf diese Weise von Kaiserslautern nach München umzieht. Naja, nette Unterwäsche, wenn sie bloß wenigstens mein Typ gewesen wäre.
Endlich in Stuttgart angekommen, traf dann auch prinzi ein. Der endgültige Plan war also mit dem Auto nach Reutlingen um dann das Spiel Reutlingen : KSC II im Stadion Kreuzeiche zu sehen. Dort angekommen stach sofort die überdimensioniert wirkende Haupttribüne ins Auge. PetÄ erklärte kurz, dass vor ein paar Jahren nach dem Abstieg die Gelder ausgegangen seien und dadurch der Stadionumbau nicht fortgesetzt wurde. Das Spiel hatte natürlich bereits begonnen und das 1:0 für den Gastgeber hatten wir auch verpasst. Tolle Wurst. Selbige heißt dort übrigens "Rote" und schmeckt sehr lecker auch wenn die Süddeutschen die Sache mit dem scharfen Senf einfach nicht hinbekommen. Das Spiel war recht ansehnlich, wobei auch aufgrund des starken Windes nicht viele Torchancen heraussprangen. Der Zweitvertretung des KSC gelang vor 2700 Zuschauern aber noch der leistungsgerechte Ausgleich und so sahen wir wenigstens noch ein Tor. Begünstigt durch das Dach der Haupttribüne waren die Heim-Supporter mit Unterstützung der Jungs aus Cannstadt auch gut laut. Gäste waren in dem weiten Rund mit den etwa 10 stufigen Stehrängen nicht zu vernehmen.
Danach gings dann durch die bergige Landschaft Süddeutschlands zum diggen in den Schwarzwald. Die freie Abendgestaltung war angesagt. Zunächst kehrte man in die Vereinskneipe des SV Dillendorfs ein und sah das wunderschöne Tor von Fin Bartels. Gut gestärkt mit nem Bier und einem der besten Baguettes (ja prinzi, so heißen die!) die ich je gegessen habe, gings zur Wohnungsbesichtigung in Bonndorf. Dort rüstete man sich mit Schwarzwaldbier und Asbach-Cola auf einen kleinen Stadtbummel inklusive Kneipenbesichtigung. Danke an dieser Stellen an den diggen für das Fremdenführer spielen und die nette Beherbergung und entschuldige bitte mein Schnarchen. Ich war doch ein wenig angebrütet.
Am nächsten Tag sollte dann der Länderpunkt Schweiz genommen werden und das noch mit dem Zürcher Derby (FC Zürich : Grasshoppers Club Zürich). Nach Zürich zu kommen war kein Problem, aber dort einen Parkplatz zu finden dann schon eher. Für die EM sollte sich die Stadt dafür noch unbedingt was einfallen lassen. Das Stadion selber war schon sehr nett anzuschauen, da es doch eine eigenwillige Konstruktion ist. Von außen fällt zunächst der rostige Zaun auf und die mit Holz verkleidete Dachkonstruktion, auf der sich zig Flutlichtmasten befinden. Innen stören die Laufbahn und die im unteren Abschnitt ziemlich flachen Ränge. Diese werden im oberen Bereich aber zunehmend steiler. Die Gästefans boykottierten weitestgehend das Spiel aufgrund der hohen Eintrittspreise im Letzigrund (36 Franken normalerweise, bei dem Spiel mit Topzuschlag 38 Franken, was ca 24€ für die billigste Karte entspricht). Dadurch konnte sich nur der Anhang des FCZ auszeichnen, die auch gleich mit einer schönen Folien-Choreo begannen. Leider saßen wir neben dem Heimblock und so konnten wir nicht erkennen, was genau dort zu sehen war. Vermutlich bildeten die weißen und hell- und dunkelblauen Folien aber das Wappen des FCZ. Auch während des Spiels wurden immer wieder gute Akzente gesetzt. An italienische Kurven erinnernde Gesänge, Wechselgesang mit Haupttribüne und Gegengerade und Schalparade. Zum Spiel bleibt nicht viel zu sagen. Es war ein offener Schlagabtausch. Mit sehr guten Möglichkeiten und Kombinationen auf beiden Seiten und am Ende rettete der FCZ seinen 1:0 Vorsprung über die Zeit. Insgesamt waren 14400 Zuschauer anwesend, wobei zu erwähnen bleibt das petÄ mit seiner Schätzung von 14000 gar nicht so falsch lag, manche Leute haben ein Auge dafür. Nach dem Spiel musste unbedingt noch eine Schweizer Erfindung probiert werden. Die Wurst in der Tüte sei hiermit jedem empfohlen, der die Gelegenheit hat sie zu kosten. Am Ende möchte ich meinen Mitstreitern danken für dieses tolle Fußballwochenende, was mir die Bahn mit einer halbstündigen Verspätung morgens um 5 Uhr in Hannover dann auch nicht mehr kaputtmachen konnte.

Hier gibts die Bilder aus Reutlingen und vom Zürcher Derby.

Mittwoch, Februar 27, 2008

Pokalsensation

Für mich war es seit langem mal wieder Zeit einen Abstecher ins Gottlieb-Daimler-Stadion zu machen und so ging es am Dienstagabend direkt vom Schreibtisch zur besagten Spielwiese. Der DFB hatte zum Pokal-VF-Spiel VfB Stuttgart gegen FC Carl Zeiss Jena eingeladen. Trotz unverschämter Eintrittspreise von 18 € für diese Kracherbegegnung wollte ich mir diesesSpiel in Begleitung eines Arbeitskollegen (VfB-Fan) nicht entgehen lassen. Vom Papier her war ja vor dem Spiel eigentlich alles klar: Deutscher Meister gegen Abstiegskandidat in der 2. Liga.
Aber die Elf aus Jena mutierte abermals zum Favoritenschreck. Während inder 1. HZ noch die Thüringer weites gehend das Spiel bestimmten undverdient mit 0:1 in Führung gingen, war ab der 2. HZ nur noch die Schwaben-Elf am Drücker. Phasenweise kamen wir uns vor wie bei einem Handballspiel, denn der VfB zeigte ein gutes Kombinationsspiel, spielte sich haufenweise gute Torchancen heraus, nur im Abschluss versagten bei einigen dann offensichtlich die Nerven. Als Beispiel sei hier nur mal das Eckenverhältnis genannt: 16:2. Auch die Jena-Fans hatten anscheinend ihren Gefallen an diesem Pokal-Match und nahmen die Floskel "Feuer und Flamme sein" etwas zu ernst. So wurde das Auge des Stadionbesuchers mit einer Rauchsäule in schönstem Rot beglückt. Ja und auch akustisch war der Gästesupport sehr annehmbar von den mehr als 3.000 Thüringern. Aber irgendwann musste es ja im Netz von Jena klingeln und einmal mehr traf Nationalspieler Gomez. Mit einem 1:1 ging`s in die Verlängerung und nachdem 2:1 abermals durch Gomez war der Drops wohl gelutscht. Jena war stehend k.o. und nur noch die kühnsten Optimisten glaubten an ein Tor für blau-weiß. Als sich alles schon auf ein Heimsieg einstellte und die umstehenden VfB`ler ihre Berlin-Reisepläne zum Besten gaben fiel aus heiterem Himmel in allerletzter Sekunde doch noch der Ausgleich. Elfmeterschießen. Tja meine Vorahnungen wurden dann Wirklichkeit und derUnderdog entschied diese Partie schließlich für sich. Selten habe ich einFußballspiel verfolgen können, wo eine Mannschaft über das gesamte Spiel gesehen so überlegen war und am Ende mit lehren Händen da stand, letztendlich wurden die Stuttgarter wohl für ihre erschreckend schwacheVorstellung im Abschluss bestraft.
Einen kleinen visuellen Eindruck von den Ereignissen dieser Pokalsensation gibt`s in der Gallerie.

Dienstag, Februar 26, 2008

Merseyside

In "The Boys from the Mersey" von Nicholas Allt beschreibt der Autor seine Fussballerlebnisse. Seit er Teenager ist, tourt er mit Liverpool erst kreuz und quer durch England und dann durch ganz Europa. Toni hat es schon ganz gut umrissen mit den Schlagwörtern: Selbstbeweihräucherung, auf den Sack gehen und LESENSWERT. Das Buch bleibt trotz mancher Widersprüchlichkeiten des Autors sehr lesenswert. Mit den Widersprüchlichkeiten meine ich, dass er einerseits die Jugend von heute verhöhnt, aber andererseits groß und breit erzählt, dass Leute wie er mit ihren Reinschmuggelaktionen in Stadien von damals mitverantwortlich wären, dass es heute so viel Sicherheit in Europas Stadien geben würde. Sie hatten ja damals kein Geld und wollten doch die Spiele sehen, also waren sie gezwungen sich rein zu schmuggeln oder Leute ab zu ziehen. Ganz großes Mitleid meinerseits. Wer das Buch gelesen hat, weiß was ich meine. Trotz allem ein sehr nettes Buch durch den Schreibstil des Autors. 2 Dinge fallen besonders auf: 1. bezieht er sich immer auf diese "Hooligan-Bücher aus London" und zweitens schreibt er scheinbar in seiner Liverpooler Mundart, denn die Übersetzung mutet anfangs etwas lustig an, man gewönnt sich aber dran.